Dialyse im Wohnmobil

Eine Idee und ihre Verwirklichung

Direkt und wörtlich bekam ich es nicht zu hören, aber hinter den meisten ungläubigen Kommentaren zu meiner Idee, eine Dialyse in einem Wohnmobil zu ermöglichen, stand unausgesprochen: jetzt spinnt er endgültig. Sogar bei der Firma Fresenius, bei der ich die Dialysegeräte für Heim- und Wohnmobildialyse bestellte, überwog zunächst die Skepsis; nach einigen Diskussionen wurde ich aber tatkräftig unterstützt.

Die Abhängigkeit des Dialysepatienten von seiner Dialyse schränkt die Bewegungsfreiheit erheblich ein, besonders im Urlaub waren nur Reisen zu bestimmten Orten möglich und z.B. Reisen nach Frankreich schienen lange Zeit völlig unmöglich. Aber auch mit den Urlaubsdialysen hatte ich schon unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Den Standart, den ich von zuhause her gewohnt bin, insbesondere die 8-stündige Dialyse jede zweite Nacht, die mir einen enormen Gewinn an Wohlbefinden gebracht hatte, war im Urlaub nicht zu realisieren. Also entstand der Wunsch, mit einer Wohnmobildialyse unabhängiger zu werden und gleichzeitig die Qualität meiner Heimdialyse zu haben.

Die Hanauer Leitung des Kuratorium hatte mir schon die Zustimmung zu der Hämodiafiltration zu Hause verweigert, entsprechend die Idee der Wohnmobildialyse als völlig abwegig bezeichnet. Wollte ich meine Wünsche realisieren, war ich ohnehin gezwungen, ohne diese Hilfe meine Dialyse in eigener Regie zu organisieren. Als Arzt durfte ich mich ja selbst behandeln.

Ich kaufte mir also die notwendigen Geräte, mit der (Privat)Versicherung wurde vereinbart, die Sachkosten für die Dialysen abzurechnen. Da ich zur Heimdialyse ohnehin ein zweites Gerät in Reserve bereit halten mußte, bestellte ich mir neben der 4008 H auch eine 4008 S, zusätzlich ausgestattet mit einem Diasafe plus Filter, der die Sterilität des Dialysates sichert. (ich entschied mich für eine Fresenius 4008, weil sie mir robuster als andere Geräte erschien und vor allem bei Stromausfall mittels eines Akkus noch das Abhängen erlaubt). Zur hygienischen Sicherheit wurde nach den Plänen von Fresenius im Wohnmobil dazu noch unmittelbar an der Wasserzufuhr ein Doppelfilter für das Wasser vorgeschaltet.

Schwierig war die Auswahl des Wohnmobils trotz der vielen Angebote. Die Einrichtung mußte sowohl dem Dialysegerät wie der Umkehrosmose sowie einer dazu passend angeordneten Liege Platz geben, eine 220 Volt Stromzufuhr, sowie Wasserzufuhr und Abwasserschlauch mußten eingebaut werden. Eine spezielle Entnahmeeinheit für die Anschlüsse von Dialysegerät und Umkehrosmose wurde ebenfalls montiert.

Nach vielem Suchen kam ich über das Internet zur Firma Bavaria Camp, die serienmäßig einen Citroen Jumper ausbaute, der über eine Tonne Zuladung erlaubte und bei dem der spätere Einbau einer Luftfederung ( zum Schutze der Geräte gegen Erschütterung ) möglich war . Bei der Serienplanung des Wohnmobiles war im hinteren Abschnitt eine Naßzelle mit Dusche vorgesehen und dahinter noch eine quer verlaufende Liege. Man mußte nur statt der Dusche und der Toilette die Geräte einbauen.

Was sich jetzt so einfach anhört, war das Resultat eines längeren Diskussions- und Versuchsprozesses, in dem sowohl die Techniker der Firma Fresenius wie auch der Firma Bavaria Camp freudig mithalfen.

Im Juni 2000 war es endlich soweit, ich konnte das Fahrzeug übernehmen und der erste Weg führte mich an den nahegelegenen Staffelsee, wo ich mit Hilfe des freundlichen Campingplatz-Chefs die erste Dialyse versuchen konnte. Zur Wasserzufuhr hatte ich mir 15 m eines guten Wasserschlauches mit Bajonettverschlüssen sowie 8 m eines Abwasserschlauches besorgt, eine ganze Tüte voll Anschlüssen sollte mich an alle möglichen Wasserquellen Anschluß finden lassen.

Anfängliche, aber auch die einzigen Schwierigkeiten betrafen die Wasserdruckverhältnisse, was durch den Ausbau eines defekten ( ? ) Rückschlagventils bei der Wasserzufuhr beseitigt wurde. Von der technischen Seite her liefen nun die Dialysen völlig problemlos.

Dafür machte ich gleich in der ersten Nacht eine unliebsame Erfahrung, als mir nämlich ein übereifriger Camper nachts den Wasserhahn am Waschhaus abdrehte. Das Gerät gab Wasseralarm und nach dem auch der Druck an den Manometern auf Null abgefallen war, konnte ich das Problem schnell lokalisieren. Ich habe die Kanülen abgestöpselt, den arteriellen und venösen Schlauch am Dialysegerät über den noch hängenden Infusionsbeutel kurzgeschlossen, ging aus dem Wohnwagen, drehte den Wasserhahn wieder auf, habe mich wieder „angehängt" und die Dialyse zu Ende geführt.

Mein sehr lautstarken Flüche über den unbekannten Missetäter hallten mitten in der Nacht über den ganzen Campingplatz. In den folgenden Dialysenächten habe ich dann sowohl an Stromzufuhr wie an Wasserzufuhr große Zettel mit Warnungen gehängt.

Zu den Dialysedaten selbst:

Ich dialysiere (wie bei der Heimdialyse) meist 8 Stunden über Nacht, kann mich selbständig anschließen und abhängen, habe meine Frau im Hintergrund, die jedoch bisher nicht eingreifen mußte. Im Wohnmobil ist die Naßzelle, in der das Dialysegerät steht und die hintere Liege durch eine Türe von dem übrigen Wohnraum abzutrennen. Das bietet allerdings nur geringen Schallschutz und so bevorzugen Frau und Kind in den Dialysenächten das Zelt. Außerhalb des Wohnmobils sind die Geräusche, wie auch der Alarm des Gerätes, nicht zu hören. Zur Hämodialyse hatte ich mich im Wohnmobil deshalb entschlossen, weil die Hämodiafiltration einen hygienischen Standart verlangt, der mir im Wohnmobil und bei den wechselnden Wasserquellen nicht gesichert erschien, und die Hämofiltration, die von ständiger Wasserzufuhr unabhängig ist, nicht genügend entgiftet. Die Dialyse läuft wie bei der Heimdialyse, der Dialysatfluß kann auch ggf. 800 ml betragen, ich fahre meist mit 500, um in den 8 Stunden nicht Kanister und Bikabonat auswechseln zu müssen.